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...made with in Leipzig...

Als Lena abends auf ihrem Sofa saß, spürte sie, dass das, was sie heute gelernt hatte, noch von großem Wert für sie sein würde. Schon so oft hatte sie in ihrer Brust diese Enge gespürt, einige Male hatte sie in der Vergangenheit auch schon asthmaartige Atemnot gehabt, die aber dann laut Diagnosen, keine echten Asthmaanfälle waren. Dennoch kämpfte sie damals so sehr um Luft, so dass sie richtig Panik bekam. Einmal musste sogar der Rettungswagen kommen. Aber heute spürte sie eine Weite in ihrer Brust, die sie so noch nie gespürt hatte.

Plötzlich klingelte es. Lena schaute zum Fenster hinaus, von wo aus sie den Hauseingang einsehen konnte. Da sah sie das Auto ihres Vaters vor ihrer Haustür. „Oh nein“, dachte sie und ihre Brust wurde wieder enger, „Was will denn Vater hier?“ Sie überlegte kurz und ging dann hinunter um ihren Vater im Hauseingang abzufangen.

„Hallo Lena, ich war bei dir in der Firma und wollte dich zum Essen einladen, aber du warst dort nicht. Deine Assistentin sagte, du hättest einen Auftrag bei einem Kunden, würdest aber sicherlich bald nach Hause kommen. So bin ich hierher gefahren“, sagte ihr Vater.

„Hallo Vater! Ich…“ Lena hatte nicht wirklich Lust, mit ihm Essen zu gehen.

„Wollen wir?“, schnitt er ihr wieder einmal das Wort ab.

Lena holte tief Luft und überlegte kurz. „Wieder jemand, der mich nicht fragt, ob ich überhaupt Lust habe, sondern einfach davon ausgeht, dass ich will.“

„Ich weiß nicht, Vater, ich hatte eigentlich etwas anderes vor…“, stammelte Lena.

„Ach, Papperlapapp, komm, wir gehen in das tolle Restaurant, das du so magst. Da gibt es doch auch dein Lieblingsgericht“, versuchte er sie zu überzeugen.

Lena hatte keinen Hunger. Ihre Gedanken rasten, sie wusste nicht, was sie sagen sollte, und merkte, dass es einfach leichter wäre, zuzustimmen. Dennoch wollte sie heute einfach ihre Ruhe haben. Sie wollte jetzt nicht unter Menschen sein und schon gar nichts essen.

„Wir können am Wochenende essen gehen“, schlug Lena vor.

„Lena. Jetzt bin ich extra hergekommen und möchte dich einladen und du willst nicht! Jetzt komm schon mit, es wird sicherlich nett und du hast doch bestimmt auch viel über deine Arbeit zu erzählen! Und auch ich möchte dir etwas mitteilen, aber in Ruhe, wenn wir beim Essen sind“, sagte ihr Vater nun etwas genervt.

Lena spürte, wie erst Neugier, dann Angst, dann Ärger und dann Trauer in ihr hochkamen und dann Schuld, weil sie nicht mitging. Doch dann fiel ihr ein, was sie in den letzten Tagen gelernt hatte und sie sagte: „Warte, Vater, ich gehe noch schnell nach oben, mir etwas Schönes anziehen und komme gleich wieder.“

„Na also, geht doch, beeile dich aber bitte“, sagte ihr Vater siegessicher.

Lena ging nach oben und setzte sich in ihr Nest in ihre Übungsposition.

Dann begann sie, „Neugier, was brauchst du?“

Und Neugier meldete: „Ich will wissen, was dein Vater dir mitteilen will.“

„Und wie fühlst du dich, wenn du hast, was du brauchst?“, fragte Lena.

„Dann fühle ich mich klar. Dann weiß ich, was Sache ist und bin beruhigt“, gab Neugier zurück.

„Ok, danke, Neugier“, bedankte sich Lena.

Und dann fuhr sie fort, „Angst, was brauchst du?“

Und Angst entgegnete: „Ich brauche Klarheit und Geborgenheit.“

„Und wie fühlst du dich dann?“, fragte Lena weiter.

„Dann fühle ich mich beruhigt und kann wieder schlafen“, antwortete Angst.

„Ok, ich danke dir, Angst.“ Und Lena ging es schon besser.

Dann fragte sie weiter. „Und du, Ärger, was brauchst du?“

„Ich brauche keine Menschen mehr, die mich ständig manipulieren, sondern, wenn sie mir etwas mitteilen wollen, sollen sie es mir einfach mitteilen. Und wenn sie mit mir essen gehen wollen, sollen sie mich vorher fragen und sich anmelden“, antwortete Ärger.

„Ok“, entgegnete Lena, „Und wie fühlst du dich dann?“

„Dann fühle ich mich respektiert und ernst genommen“, sagte Ärger.

„Danke, Ärger, du hast mir sehr geholfen, das ist wirklich wahr.“

Und dann wandte sich Lena Trauer zu.„Trauer, was brauchst du?“

„Hach, ich bin so erschöpft und traurig, dass mich die Menschen so respektlos behandeln und nicht auf meine Gefühle achten und einfach über meinen Kopf hinweg entscheiden. Das tut mir nicht gut, ich fühle mich missbraucht. Ich brauche Mitgefühl und Respekt und ehrliches Interesse von anderen“, antwortete es sehr traurig und erschöpft.

„Oh, ok, und wie fühlst du dich dann, wenn du das bekommen hast?“, fragte Lena dann.

„Dann fühle ich mich angenommen so wie ich bin“, sagte Trauer.

„Danke, Trauer“, sagte Lena und begann zu weinen, weil sie in diesem Moment spürte, dass sie nie angenommen worden war, nicht von ihrem Vater, nicht von ihrer Mutter, deren Interessen sich immer nur um sich selbst gedreht hatten. Nicht von ihren vermeintlichen Freunden, bei denen es genauso war. Sie merkte, dass sie sich selbst auch nie angenommen hatte, aber heute nach der Lichtverbindungsübung war irgendetwas anders. Denn plötzlich konnte sie sich annehmen.

„Ich nehme dich an, kleines Trauer“, flüsterte sie heiser.

„Und jetzt noch Schuld“, dachte Lena und fragte, „Was brauchst du?“

 „Ich brauche dich. Bitte sage mir, dass ich alles richtig gemacht habe“, flehte Schuld Lena an.

„Ja, das hast du“, sagte Lena heiser, „Ganz sicher hast du das.“ Und dann fragte sie, „Und wie fühlst du dich jetzt?“

„Jetzt fühle ich mich richtig, so wie ich bin“, sagte Schuld nun etwas fröhlicher.

Lena fühlte eine große Welle von Zufriedenheit und Ruhe durch ihren Körper fließen.

Dann fiel ihr ein, dass ihr Vater ja unten wartete. Sie stand auf und ging nach unten, noch in derselben Kleidung wie vorher. Sie stellte sich vor ihn, nahm seinen verwirrten und dann verärgerten Blick zur Kenntnis und sagte dann ganz ruhig: „Vater, wenn du willst, dass ich mit dir essen gehe, dann sage mir das bitte rechtzeitig, damit wir einen Termin finden können, der für uns beide passt. Und wenn du mir etwas erzählen willst, das dir wichtig ist, dann erzähle es mir und mach kein Geheimnis daraus. Ich möchte dir auch nicht von meiner Arbeit erzählen. Zumindest gerade nicht. Respektiere das bitte.“

Tatsächlich schien ihm diese direkte, ungewohnt widerspenstige Ansage seiner Tochter erst einmal die Sprache zu verschlagen, denn er schwieg. Nachdem sie ihrem Vater etwas Zeit gegeben hatte, um ihr neues Verhalten etwas zu verarbeiten, fügte sie hinzu, „So, und nun kannst du mir erzählen, was wichtig ist, oder auch nicht. Ich mache mir heute auf jeden Fall einen schönen Abend. Mit mir allein.“ Lena schaute ihren Vater herausfordernd an, aber der sagte immer noch nichts. Er war so erstaunt, dass ihm einfach die Worte wegblieben.

Dann sagte er vorsichtig, „Ja, aber Lena, du hattest dich doch immer gefreut, wenn ich dich überrascht habe und mir gern von deiner Arbeit erzählt. Ich dachte, ich mache dir eine Freude und du könntest neben deinem anstrengenden Job ein wenig Abwechslung gebrauchen.“ Er schien wirklich tief verwirrt und irritiert zu sein. „Hm, und ich wollte dir erzählen, dass deine Mutter und ich ab morgen für einen Monat eine Kreuzfahrt machen und wir deshalb nicht erreichbar sein werden.“

Lena war etwas verwundert, aber auch froh, dass sie alles gesagt hatte. Sie überlegte kurz und dann erklärte sie, „Ja, ich hatte mich ja auch immer gefreut, oder auch nicht, ich weiß es nicht.“

Lena wusste nicht mehr, was eigentlich richtig war, wer denn nun recht hatte und worum es hier überhaupt ging. Ihr neugewonnener Wille und die Kraft ihre eigenen Interessen wahrzunehmen, hatten sie etwas überfordert, wie es schien. Und dann schickte sie sich an, wieder nach oben zu gehen, aber ihr Vater hielt sie auf. „Jetzt mach dir doch erst einmal einen schönen Abend und dann treffen wir uns einfach nach unserer Kreuzfahrt wieder, ok?“

„Ja, das wird das Beste sein“, meinte Lena zum Abschied. Ihr Vater stieg in sein Auto, winkte kurz und fuhr fort. Lena aber stand immer noch verwirrt auf dem Bordstein vor dem Hauseingang.

Erst nach einer ganzen Weile ging sie langsam die Treppen nach oben und setzte sich auf ihr Sofa. Ihr Blick fiel auf die Schachtel mit Goldstaub. Plötzlich entdeckte sie, dass da etwas geschrieben stand. „Das stand doch neulich noch nicht da“, wunderte sie sich. Und dann las sie: “Du hast dich deutlich verändert.”

Lena stutzte. „Wer hat das denn auf meine Schachtel geschrieben? Vielleicht die Klabuwees, die auch das Logo auf der Morphinschachtel verändert hatten? Vielleicht…“, rätselte sie, „Aber es stimmt ja auch, ich habe mich verändert. Und vielleicht hatte ich ja auch deshalb gerade so ein seltsames Erlebnis mit meinem Vater.“

Als sie später im Bett lag, ging ihr die Situation noch einmal durch den Kopf, aber da sich ja alles zum Guten gewendet hatte, schlief sie recht schnell ein und begann wieder zu träumen…

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